
Hitze gab’s genug, also entschieden sich meine Tochter Liza, zehneinhalb, und ich einstimmig für ein paar Urlaubstage in den Alpen. Das Ziel war rasch gefunden: Kolm-Saigurn, am Ende des malerischen und legendären Rauriser-Tals mit direkten Blick auf die Wetterwarte des Hohen Sonnblicks. In der Hütten-Enklave im Endtal verbrachte ich bereits vor bald vier Jahrzehnten einige Tage mit meinem Großvater und Vater – die Familientradition, die Nächtigung im Naturfreundehaus inbegriffen, sollte weitergehen.
Liza ist, wie die meisten Digital Natives ihres Alters, Online-Junkie. Dass es in „unserer“ Hütte weder Internet noch eine Handy-Verbindung geben würde, störte sie zu meinem Erstaunen nicht. Ihre beste Freundin Lisa, ebenfalls Internet-Kid, nahmen wir mit. Als einzige Ersatzdroge kamen die beiden Nintendos der Mädchen mit.
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Der Entzug war kein Thema. Vor allem aufgrund der Abenteueranlage, die Hüttenwirt Hermann auf 1600 Meter Seehöhe aufgebaut hat: Nebst der obligaten und äußerst charmanten „normalen“ Hütte – wir hatten ein Bergsteigerzimmer mit Klo und Dusche am Gang bezogen, was den, im Normalfall kleinen Zicken ebenfalls nichts ausmachte – versetzten der große Abenteuerspielplatz, Fischteich, Ziegen, Ponys und natürlich Hüttenhund Luna samt Welpen die beiden in Begeisterung.
Eine Bergtour, Heidelbeeressen auf der Alm, Kristalle suchen auf 2100m und Spielen im Schneefeld. Online? Internet? Skype? Hatte das jemals existiert? Zumindest waren diese Worte drei Tage lang nicht existent. Bloß die eine oder andere Stunde am Nintendo, vor dem Schlafengehen, erinnerte entfernt an die Glasfaser-Realität.
Am letzten Abend schenkte uns Kolm-Saigurn als Krönung eine Sternenklare Nacht. Die Kuppel der Milchstraße sahen die beiden Großstadtmädchen mit aufgerissenen Augen und bald schmerzendem, zurückgeworfenem Hals zum ersten Mal, viele Sternbilder, wie aus dem Bilderbuch; Vega, Kassiopeia weit entfernte Galaxien. Minutenlang starrten sie in den Nachthimmel. „Das ist wie im Planetarium, nur viel, viel größer“, staunte Lisa und „meine“ Liza ergänzte: „Das ist das Schönste, was ich je gesehen haben. Viel besser als jedes Internet…“
P.S.: Natürlich war das erste, nachdem wir wieder zu Hause waren, die digitale Nabelschnur wieder anzuschließen, zu Skypen, zu Minecraften, zum Painten…
Foto copyright Haide Media GmbH 2015 - Liza & Naturfreunde-Hüttenhund Luna, ca 2200m nahe der Neubauhütte, Sonnblick