Wenn man fragt, was der Unterschied zwischen Rechts und Links ist bekommt man unterschiedliche Antworten aber das Spanende ist, dass man von Rechten und Linken die gleiche Antwort bekommt was sie selber betrifft. Beide Seiten deklarieren, dass sie für die Menschen sind, für die Gesellschaft und für das Leben.
Bei den Linken bleibts üblicherweise bei der Aussage, die Rechten hängen eine Triade hinten an warum sie den Linken Weg als falsch sehen. Linke tun das nicht, die deklarieren, dass die Rechten gegen die Menschen, gegen die Gesellschaft und gegen das Leben sind und das alles zerstören wollen.
Eine Studie rund um Adam Waytz fand das recht interessant und schaute genauer hin:
Wenn beide „für die Menschen sind“, was ist dann der Unterschied?
Fündig wurde man in einem Phänomen das in seiner Studie als der „moralische Kreis“ beschrieben wird und auf die Arbeiten von Singer zurückgeht.
Die Idee dahinter ist recht einfach: man fragt welchen Gruppen man gegenüber moralischer Verantwortung hat und wem gegenüber nicht. Es wurden 16 Stufen gewählt:
Ihre gesamte unmittelbare Familie, (2) Ihre gesamte erweiterte Familie, (3) alle deine engsten Freunde, (4) alle deine Freunde (auch entfernte), (5) alle Ihre Bekannten, (6) alle Menschen, die du je getroffen hast, (7) alle Menschen in Ihrem Land, (8) alle Menschen auf eurem Kontinent, (9) alle Menschen auf allen Kontinenten, (10) alle Säugetiere, (11) alle Amphibien, Reptilien, Säugetiere, Fische und Vögel, (12) alle Tiere auf der Erde, einschließlich Pantoffeltierchen und Amöben, (13) alle Tiere im Universum, einschließlich außerirdischer Lebensformen, (14) alle Lebewesen im Universum, einschließlich Pflanzen und Bäume, (15) alle natürlichen Dinge im Universum, einschließlich Träger Entitäten wie Gesteine, (16) alle Dinge, die existieren.
Das Resultat ist im Bild zu erkennen.
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Adam Wayts https://www.nature.com/articles/s41467-019-12227-0/figures/5
Bei Konservativen gipfelt das Resultat um die Familie und wird dann graduell kleiner und kolabiert nach dem Leben auf der Erde vollständig.
Bei Linken gipfelt es bei „alle Tiere im Universum, einschließlich außerirdischer Lebensformen“ und wird links und rechts davon kleiner. Interessant ist dass es in Richtung Nähe unterhalb der "Menschen in eigenen Land" fast vollständig kollabiert.
Der Rechte bevorzugt also seine Familie vor seinem Nachbar, seinen Nachbar vor jemandem in einem anderen‚ Land und Menschen bevorzugt er gegenüber Tieren. Seine Kurve ist eine gerade Linie nach unten.
Der Linke hingegen bevorzugt Dinge, die ihm möglichst fremd sind, mit einer Trendumkehr erst bei Dingen die tot sind, sprich er bevorzugt typischerweise nicht Weltallsteine vor Lebewesen. Seine Kurve ist ein auf dem kopfstehendes V.
Wir reden hier natürlich von einem Durchschnittswert.
Auf meine Frage „Was wäre, wenn uns die Besiedelung des Weltalls die Erde kosten würde, wären 10 andere Planeten die das Leben erobert nicht die Erde wert?“ wurde mir einmal von einer bunthaarigen Person entgegnet dass sie nicht der Meinung wäre dass das Leben für das Universum eine Verbesserung darstellt und „Steine eventuell glücklicher ohne Leben wären“. Sprich es gibt auch Menschen, die den Gradienten vollständig vollziehen. Im Schnitt sind Linke aber nicht ganz so verrückt.
Und damit haben wir die Lösung, warum beide Seiten der Meinung sind dass sie „für die Menschen“ da sind.
Der Rechte kümmert sich umso mehr um Menschen, je näher sie ihm stehen und der Linke kümmert sich um alles Mögliche, das möglichst wenig so ist wie er.
Beides ist legitim, beides kann man tun und glauben.
Beides ist in sich und für sich "moralisch gut".
Man muss aber halt verstehen was der andre denkt, damit man friedlich zusammenleben kann.
Und das sollte das Ziel sein, auch wenn man man die Moral des anderen für absurd hält.