Verbessert das Bedingungslose Grundeinkommen die Situation von Obdachlosen? Ein Experiment

Sam Altman kofinanzierte kürzlich ein Experiment in dem man Obdachlosen Geld gab ohne jede Gegenleistung. Es ging darum herauszufinden welche Menge an Geld die Situation am ehesten verbessert.

Wie macht man das? Man gibt ihnen einfach Geld und sagt ihnen sie können damit tun was sie wollen. Was aber war der Maßstab des Erfolgs? Wieder recht einfach: man sieht wie viele Menschen dann nicht mehr obdachlos sind.

Man gab drei Gruppen Geld:

Gruppe A erhielt einmalig 11 000$

Gruppe B erhielt einmalig 6 500$ und dann 500 pro Monat und

Gruppe C erhielt 50$ pro Monat

Die Resultate klingen recht erstaunlich. In Gruppe A waren nach einem Jahr 44% nicht mehr obdachlos, in Gruppe B waren es 48% und in Gruppe C 43%.

Das klingt interessant, bis man sich klar macht, dass Gruppe C die Kontrollgruppe war und die 50$ quasi als „Nichts“ zu betrachten sind.

Manche Kommentatoren verweisen darauf, dass laut Daten der „National Alliance to End Homelessness“ Menschen typischerweise nach einem Jahr nur noch in 22% der Fälle obdachlos sein würden und meinen, dass jegliche Zuwendung damit eine Verschlechterung bedeuten. Ich möchte dem widersprechen: die Differenz zwischen dem nationalen Schnitt und Gruppe C zeigt uns, dass es in Denver offensichtlich doppelt so schwierig ist aus der Obdachlosigkeit zu kommen, was nicht verwunderlich ist, wenn man sich die Politische Realität in Denver ansieht. Demokraten mögen Obdachlose und sie mögen sie obdachlos und so hilft man den Obdachlosen und nicht jenen die nicht mehr obdachlos sein wollen.

Das Experiment zeigt, dass es keinen Unterschied macht, ob man Menschen einmal Geld gibt, regelmäßig Geld gibt oder sie auf sich alleine gestellt lässt.

Der Grund dafür ist, dass Geld nicht das Problem ist. In den Gruppen waren rund 55% Alkoholiker und in keiner Gruppe gab es Änderungen egal ob man Geld transferiert hat oder nicht. Der Säufer sauft, so oder so.

Obdachlose haben zudem typischerweise massive Probleme mit Geisteskrankheiten: Vergleicht man Obdachlose mit der weiteren Bevölkerung so findet man bei den Obdachlosen eine 71 mal höhere Wahrscheinlichkeit für Depression und eine 42 mal höhere Wahrscheinlichkeit für Schizophrenie und eine 4 mal höhere Alkoholiker Quote.

Das Problem ist nicht Geld.

Wenn man „Etwas tun muss“ dann ist es nicht, Menschen die ihr Leben nicht im Griff haben, Geld zu geben mit dem sie tun können was sie wollen.

Und das führt uns zu einer extrem unangenehmen Wahrheit.

872 baute Ahmad ibn Tulun in Kairo das erste uns bekannte Irrenhaus. Man holte die Leute von der Straße und spielte ihnen Musik vor. Klingt natürlich fein, die Vermutung ist aber das, genau wie bei uns im Mittelalter, dort die Medizinier „übten“ und man kann sich vorstellen, was das bedeutet. Im Laufe der Zeit nannte man das Irrenhaus immer wieder anders aber am Ende des Tages war es immer genau das Gleiche: man holte Menschen von der Straße und sperrte sie weg.

Die Idee war, dass diese Menschen, wenn man sie nicht aus der Öffentlichkeit holt, dort nur sich und der weiteren Bevölkerung Ärger machen würde und es im Sinne der Bevölkerung, aber auch der Betroffenen war sie einzusperren. Also tat man genau das, bis wir uns von der Idee verzaubern haben lassen, dass die Gründe warum die Obdachlosen obdachlos sind, nicht in ihnen sondern in der weiteren Bevölkerung zu finden wären.

Das oben erwähnte Experiment aber zieht diese Idee massiv in Zweifel. Wenn das Resultat zwischen einer Gruppe der man hilft und einer Gruppe, der man nicht hilft völlig ident ist, was bringt dann die Hilfe?

Wenn ein BGE den gleichen Effekt hat wie kein BGE, wozu dann ein BGE einführen?

Und diese Erkenntnis führt eben zu Weltschmerz.

Weltschmerz fühlen wir wenn die Welt nicht so ist wie sie sein sollte und sogar ich als massiver Kritiker des BGE, bin erschüttert, wie wenig es bringt. Ich dachte zwar immer dass es, für das was es kostet, zu wenig bringt aber dass es faktisch effektlos ist, finde eben sogar ich erschütternd.

Die Welt ist nicht wie sie sein sollte.

Das ist die Wahrheit der wir uns stellen müssen und den damit verbundenen Weltschmerz müssen wir eben ertragen.

Was bringt also ein BGE?

Scheinbar genauso viel wie kein BGE.

Was uns bewiest, dass Geld keine Probleme löst.

Menschen löse Probleme und Menschen, die keine Probleme lösen können, können auch mit Geld in der Tasche keine Probleme lösen.

Ist das ernüchternd?

Schon irgendwie aber was es nicht sein sollte, ist überraschend.

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Tourix

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Matt Elger

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