Die ganze Welt will in den Westen. Menschen aus dem Westen gehen aber tendenziell nicht aus dem Westen weg. Sie motzen nur darüber, dass der Westen besser sein könnte. Und genau das ist der Grund, warum der Westen so gut ist.

Um den Punkt zu erklären: eine Kultur, in die mehr Menschen rein als raus wollen, ist „attraktiver“ als eine Kultur aus der mehr Menschen raus als rein wollen. Das bedeutet nicht, dass diese Kultur explizit besser ist, implizit bedeutet es aber genau das. Man kann das West-Chauvinismus nennen, ich nenne es eine rationale Beobachtung.

Was der Westen anders macht als die ganze andere Welt ist Freiheit. Der Westen ist kein monolithischer Block, sondern eine Gruppe von Nationen, die sich im Wesentlichen durch einen recht hohen Grad an Freiheit auszeichnen, wobei diese Freiheiten innerhalb des Westen variieren.

Aber wie macht Freiheit reich?

Der Grund dafür ist im Grunde recht einfach und mit einem Beispiel leicht zu illustrieren.

Wenn man zu einem Politiker oder Monarchen sagt, dass er auf eine Mauer zurast, dann sieht das etwa so aus

„Da ist ne Mauer. Mauer. Mauer! MAAAAUER!“ Karachbumm.

Wenn man zu einem Akteur im Markt das Gleiche sagt, sieht das typischerweise so aus:

„Da ist neu Mauer. Mauer. Mauer!“ Produkwechsel.

Der Markt reagiert, weil Erfolg/Profit viel wichtiger sind als stolz erhobenen Hauptes „das Gesicht zu wahren“, während man mit Vollgas in eine Mauer rast. Vor Jahren hörte ich mir einen Podcast eines recht erfolgreichen Unternehmers an, der meinte, dass seine erste Firma Dinge hergestellt hat, die ihm gefallen haben, die Firma ging ein. Dann stellte er Dinge her, die die Leute wollen und jetzt ist er reich. Unternehmer haben keinen Stolz und kein Ehrgefühl, ebenso wenig wie Politiker, Monarchen oder Diktatoren. Wer als Unternehmer diesen Stolz mitbringt, geht bankrott und verschwindet als Akteur.

Der freie Markt kann auf geänderte Zustände damit viel schneller reagieren, weil es völlig legitim ist, sich am Stand um 180° zu drehen. Der Politker kann das nicht, er kann keine Fehler eingestehen oder die Vision anpassen.

Alle Sorten von Rede und Meinungsfreiheit sind in dem Bezug ähnlich dem Mauerbeispiel: Redefreiheit ermöglicht es, sich zu ändern.

Redefreiheit bedeutet nicht, dass jeder das Richtige (=die akzeptierte Meinung) sagt, Redefreiheit bedeutet, dass wir den Idioten und Perversen nicht das Wort verbieten (können) und das führt zu einer interessanten Situation: ab und an haben die Idioten recht und der Mainstream liegt falsch.

Nicht ständig, nicht oft, aber ab und an doch. Je weniger man die vermeintlichen Trottel knebelt, desto höher ist die Quote an brauchbaren Alternativen.

Zugegeben: man muss viel Dreck durchwühlen, um einen Edelstein zu finden, aber wenn man nicht durch den Dreck wühlt, findet man eben keinen Edelstein. Genau dieses Problem haben Kulturen, die denken, dass sie alles Wissen, das jemals wichtig sein wird, schon haben. Das mittelalterliche Europa hatte dieses Problem und der Islam und der rezente Sozialismus haben das Problem noch immer. Deswegen sind sie arm, deswegen wollen die Leute von dort weg. Natürlich wollen sie in erster Linie her, weil man hier mehr verdienen kann und weil hier die medizinische Versorgung besser ist, man sicherer ist und so weiter und so fort, aber all diese Dinge existieren, weil sie von Spinnern vorgeschlagen und umgesetzt wurden, die zuerst verlacht, dann kritisiert, dann angefeindet wurden bis ihre Methoden sich durchsetzen und alle anderen sie nachmachten und so taten als wären sie selber ja „schon immer dafür gewesen es so zu machen“.

Jede Innovation beginnt als Spinnerei.

Im Westen darf man ein Spinner sein, man darf mitreden, man darf sein, wie man ist und man darf scheitern oder Erfolg haben, man darf aus dem Scheitern oder dem Erfolg anderer lernen, man darf ihn imitieren und man darf die Kultur, den Markt und das System ändern.

In manchen Ländern mehr, in Deutschland halt weniger.

Der Westen ist anpassungsfähig und deswegen ist er lebenswerter als die Systeme, die sehr klare Vorstellungen von der Zukunft haben. Der Westen ist ein Flickwerk aus kleinen Visionen, Perspektiven und Zielen. Das ist seine Stärke und seine Schwäche zugleich, aber im Hinblick darauf, dass wir Zäune bauen müssen, um uns vor dem Ansturm zu retten, muss eigentlich jedem klar sein, dass wir, wenn schon nicht perfekt, besser sind als alle anderen und die Quelle dieser Exzellenz ist, dass wir auch die Leute mitreden lassen, die falsch liegen und in Betracht ziehen, dass eventuell in all dem Müll den sie reden, ein Körnchen Gold zu finden ist.

Geht uns diese Fähigkeit verloren, verlieren wir, was wir haben und sind, was alle anderen sind: Kulturen mit Visionen, die realitätsfremd sind, die auf Mauern zurasen, in die sie dann stolz erhobenen Hauptes krachen und die nächsten Generationen dann die Scherben aufräumen lassen.

Wollen wir das sein, nur um uns mühsame Debatten zu sparen?

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