In der Geschichte der Menschheit haben Tiere immer schon eine Rolle gespielt: nicht bloß als Nahrungsquelle, wie man nun wieder vermehrt an den Geruchs- und Rauchschwaden sonntäglicher Hobbygrillversuche erkennen kann, oder als Bedrohung des eigenen Lebens. Es wurde rasch erkannt, dass Tiere dem Menschen das Leben erleichtern können: zur Bewegung schwerer Lasten, als Transporthilfe oder als Fortbewegungsunterstützung finden etwa noch heute beispielsweise Pferde, Kamele und Elefanten Einsatz. Aber auch als Alarmanlagen sind sie in die Geschichtsbücher eingegangen: wie selbstverständlich werden so
Schilderungen aus dem antiken Rom hingenommen, wonach das Geschnatter der Gänse oder das Verstummen der Zikaden als zuverlässiges Anzeichen gewertet wurde für einen Eindringling. Dass das dreimalige Klopfen des Spechts allerdings besonders guten Aufwind für unsere Skispringer anzeigen soll muss da sehr bezweifelt werden.
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Auch die technischen Fortschritte in vielen Wissenschaftsbereichen sind Tieren zu verdanken: sei es, weil sie ihr Leben ließen in grauenhaften Tierversuchen, sei es, weil sie dem Menschen einfach als Vorbild und Ansporn dienten beziehungsweise sich bereitwillig beobachten ließen. Zunehmend wird dabei nicht nur von besonders naturverbundenen Menschen die darüber weit hinausreichende Bedeutung des Zusammenlebens mit Tieren erkannt. So rückt in den letzten Jahrzehnten auch die Erforschung der sozialen Beziehungen zwischen Menschen und Tieren immer mehr ins Zentrum: war es lange Zeit der Esoterik vorbehalten, Mensch-Tier-Beziehungen als echte Sozialbeziehungen aufzufassen, so verschließen nun auch die Wissenschaften nicht mehr ihre Augen vor den bislang ungeprüft in den Placebobereich abgeschobenen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Tier: mit verhaltensbiologischen und psychologischen Methoden werden diese Beziehungen im evolutionären Konzeptrahmen erforscht mit ersten Belegen für weitreichende Ähnlichkeiten in den sozialen und geistigen Fähigkeiten innerhalb der Säugetiere. Auch die Universität Wien hat im Department für Verhaltensbiologie eine eigene Forschungsgruppe dazu eingerichtet.
Praktische Auswirkungen dieses neuen Trends sind nicht mehr zu übersehen: Geht man heute in ein Seniorenheim, so läuft einem rasch eine Katze über den Weg. Auf Reitplätzen kann man immer häufiger Zeuge von therapeutischem Reiten werden und regelmäßig stößt man auf Spendenaufrufe, um schwer kranken Kindern eine so genannte Delphintherapie zu ermöglichen. Bereits tief verankert ist die Gewissheit, dass Tiere Menschen, vor allem in herausfordernden Situationen, gut tun. Zu deutlich ist die von Betroffenen geschilderte und auch am Gesicht ablesbare Erleichterung vom psychischen Druck besonders herausfordernder Situationen wie schweren Erkrankungen oder Einsamkeit, als dass man dies leugnen könnte. Auch wenn das „Wie" höchst umstritten ist und die zur Verfügung stehenden Methoden eher noch mehr Fragen als Antworten finden.
Eines bleibt allerdings bei all dieser Euphorie zu beachten: auch wenn Tiere dem Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen hilfreich sind, so ist es doch ein Gebot, die Begegnung auf Wertschätzung aufzubauen. So wie es etwa in Altersheimen oftmals vergessen wird, dass es auch gegen Tierepithelien hochgradig allergische Menschen gibt, denen der Kontakt dann eher schadet denn hilft, so scheinen oftmals die Bedürfnisse von Tieren zur vollkommenen Nebensache zu verkommen. Wie auch im zwischenmenschlichen Umgang ist es bei der Begegnung mit dem Tier ein unverzichtbares Gebot, den individuellen Bedürfnissen Rechnung zu tragen und vor dem Handeln Herz und Hirn einzuschalten - für sich wie auch für das Gegenüber.