
PAF/VIER PFOTEN/Tibor Rauch
Andere Länder, andere Sitten – das ist ja auch das Schöne am Urlaub. Allerdings gilt es zu beachten, dass Tierschutzstandards im Ausland selten auf so hohem Niveau wie in Österreich sind. Und was Touristen auf den ersten Blick als reizvolle Urlaubsattraktion oder als kulinarische Delikatesse erscheint, ist vielleicht für Tiere mit Qualen verbunden. Daher möchte ich an dieser Stelle Tipps geben, wie man auch im Ausland Tieren gegenüber respektvoll bleibt.
Umgang mit Streunern
Was vor allem in südlichen Ländern dem Urlauber sofort ins Auge springt, ist die Anzahl an streunenden Tieren. Man lässt sich als Tierliebhaber leicht dazu verleiten, die Tiere zu füttern. Das Problem ist, dass sich die Streuner sehr rasch an diese Nahrungsquelle gewöhnen, die dann nach der Urlaubssaison sofort wieder versiegt. Aus Tierschutzsicht ist Füttern auch deshalb kritisch, weil sich die Tiere dadurch noch schneller vermehren. Viel sinnvoller ist es daher, einen lokalen Tierschutzverein direkt am Urlaubsort mit einer Spende zu unterstützen.
Immer öfter werden Touristen Fotos mit Wildtieren angeboten, sehr beliebt sind natürlich Tierbabys. Wenn die es Gelegenheit gibt, Selfies oder andere Aufnahmen mit z.B. Bärenbabys zu machen, dann müssen allerdings sofort alle Alarmglocken schrillen! Hier handelt es sich um reine Geschäftemacherei auf Kosten der Tiere, die meist unter inakzeptablen Bedingungen gehalten werden.
In Thailand auf Elefanten reiten?
Ebenfalls ein Klassiker unter den Touristen-Attraktionen, besonders in exotischen Ländern, sind Elefanten-, Pony-, Esel- und Kamelritte. Aber Vorsicht: Die meisten dieser Tiere werden nicht artgemäß gehalten. Oft sind sie auch den ganzen Tag über der Hitze ausgesetzt, ohne mit frischem Wasser versorgt zu werden.
In der berühmten jordanischen Felsenstadt Petra, einem UNESCO-Weltkulturerbe, startete VIER PFOTEN deshalb im März 2015 gemeinsam mit der Princess Alia Foundation (PAF) und der Tourismusbehörde von Petra (PDTRA)ein Hilfsprojekt für arbeitende Pferde. In und um Petra befördern insgesamt etwa 1.350 Pferde und Esel jährlich abertausende Touristen auf ihrem Rücken oder in einer Pferdkutsche durch die bekannte Wüstenmetropole. Unser Projekt zeigt auch schon erste Früchte: Der Gesundheitszustand vieler Tiere hat sich in den letzten Monaten erheblich verbessert, neue Stallungen wurden gebaut, und ein Wasserableitungssystem zum Schutz vor Sturzfluten wurde installiert. Erfahrene Tierärzte von VIER PFOTEN und PAF kommen seit März 2015 regelmäßig nach Petra, um verletzte oder kranke Tiere zu behandeln und lokale Tierärzte zu schulen. Außerdem hat die Tourismusbehörde eine neue Verordnung erlassen, in der sie den Umgang mit Pferden von nun an streng reglementiert.
Bitte kein Stierkampf
VIER PFOTEN empfiehlt außerdem, sich von Sport- und Wettkämpfen mit Tieren fernzuhalten und diese damit nicht zu fördern. Ob es die traditionellen Stierkämpfe in Spanien und Portugal oder die grausamen Hunde-, Bären- oder Hahnenkämpfe sind: Ihnen ist gemeinsam, dass Tiere dafür gequält werden. Bei Stierkämpfen etwa werden Tiere schon vor dem Spektakel bewusst gereizt. Das kann von Schlägen gegen die Nieren über das Bohren von Nadeln in die Geschlechtsteile bis hin zur Verabreichung von Medikamenten, um die Tiere orientierungslos zu machen, reichen. Während des Kampfes wird der Stier oft mit Lanzen in die Seite gestochen. Höhepunkt ist die Tötung, wobei der Tod meistens durch Ersticken am eigenen Blut infolge des „Gnadenstoßes“ eintritt.
Zu guter Letzt möchte ich Ihnen auch ans Herz legen, beim Kauf von Souvenirs vorsichtig zu sein: In vielen Geschäften werden Gegenstände aus Elfenbein, Schildkrötenpanzer, Lederprodukte aus Häuten exotischer Tiere oder Korallen angeboten. Mit dem Kauf trägt man zur Ausrottung geschützter Arten bei. Die Einfuhr von Souvenirs, die von bedrohten Arten stammen, ist nach dem Washingtoner Artenschutz-Abkommen nicht erlaubt und wird mit Geldbußen und sogar Freiheitsstrafen geahndet.