Einen Moment lang sah die USA, wer sie regiert.

Nur die Schwachen werden scheitern - oder: Die Unmenschlichkeit einer Regierung in Großbuchstaben

Am 4. April 2025, an einem Freitag wie aus dem Drehbuch für Tragödien der Demokratie, schrieb Donald Trump einen Satz. Er war kurz, in Versalien gesetzt und in Wahrheit ein Spiegel dessen, was diese Präsidentschaft geworden ist: ein schreiender Monolog ohne Zuhörer. “ONLY THE WEAK WILL FAIL!” – “Nur die Schwachen werden scheitern!”

Ein Präsident, umgeben von gepanzerten Wagen, Golfplätzen und Champagnergläsern, sendet diese Botschaft an eine Nation im Ausnahmezustand. Während die Finanzmärkte taumeln, der Dow Jones um 2.200 Punkte einbricht, der schwerste Verlust seit den ersten Pandemie-Monaten, spielt Trump Golf in Mar-a-Lago. Und während er ein Candlelight-Dinner mit Spendern seiner Super-PAC-Maschine MAGA Inc. genießt, flimmert der Satz durch die sozialen Medien wie ein Signal aus einer anderen Welt. Einer kalten Welt. Einer Welt ohne Gedächtnis, ohne Mitgefühl, ohne Verantwortung.

Vier junge Männer sind zu diesem Zeitpunkt bereits tot.

Troy S. Knutson-Collins (28),

Jose Duenez Jr. (25),

Edvin F. Franco (25),

Dante D. Taitano (21),

allesamt Mitglieder der 1st Armored Brigade Combat Team, 3rd Infantry Division. Verschwunden bei einer taktischen Übung in Litauen. Ihr Fahrzeug, ein stählernes Ungetüm, Symbol amerikanischer Militärmacht – war am 26. März in einem Torfmoor entdeckt worden. Ihre Leichen: schwer zu bergen, schwerer noch zu begreifen.

Trump, der Commander-in-Chief, blieb der Rückführung der gefallenen Soldaten fern. Kein Händedruck für trauernde Eltern, kein Blick, kein Schweigen an der Rampe des Militärflugzeugs. Stattdessen ein Abendessen in seinem eigenen Club. Statt Trauer ein Tweet. Statt Anteilnahme ein Aphorismus der Grausamkeit.

„Nur die Schwachen werden scheitern.“

Doch wer sind die Schwachen? Sind es die Familien, die in diesen Tagen ihre Kinder verlieren? Sind es die Anleger, deren Ersparnisse in Minuten verdampfen? Sind es die Flüchtlinge, deren Abschiebung unter Trumps Exekutiverlassen zur Todesdrohung wird? Oder sind es die Soldaten selbst, die ihr Leben in der Fremde verlieren, ohne dass ihr Präsident sie mit einem Wort ehrt?

Der Satz ist kein Zufall. Er ist ein Dogma. Die neue US-Regierung predigt eine Ideologie der Stärke, die weder Rücksicht kennt noch Recht. Eine Ideologie, in der Mitleid Schwäche ist, Empathie ein Fehler, und menschliche Verluste bloß Kollateralschäden im Krieg um Einfluss, Macht, Deutungshoheit.

Dass Trumps Satz inmitten eines ökonomischen Bebens veröffentlicht wurde, nach der Verkündung seiner globalen Zollerhöhungen, die Experten als politisch motivierten wirtschaftlichen Selbstschuss bezeichnen – ist kein Zufall. Es ist Strategie. Krise als Bühne. Härte als Inszenierung. Das eigene Volk als Publikum eines autoritären Theaterstücks.

Während Litauens Präsident Gitanas Nausėda persönlich der Rückführung der US-Soldaten beiwohnte, glänzte der amerikanische Präsident durch Abwesenheit. Während andere still standen, sprach Trump in Schlagwörtern. Während Mütter weinten, war in Mar-a-Lago Wein.

Was bleibt?

Ein Satz in Großbuchstaben, geboren aus einer Hybris, die Geschichte ignoriert und Menschlichkeit verwirft. Eine Regierung, die sich selbst feiert, während sie die letzten Reste ihrer moralischen Autorität verspielt.

Und eine Gesellschaft, die sich entscheiden muss: ob sie jenen Satz schluckt, oder ihn zurückweist. Ob sie in einer Welt leben will, in der der Präsident sagt, dass nur die Schwachen scheitern – oder in einer, in der Stärke darin besteht, menschlich zu bleiben.

Denn die Schwachen scheitern nicht. Die Starken tun es, wenn sie Mitgefühl verlieren.

In Wahrheit war dieser Freitag kein Tag des Protests. Er war ein Tag der Enthüllung. Und Amerika sah - vielleicht einen Moment zu klar - wer da regiert.

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