Es gibt vieles, was mich an der österreichischen Öffentlichkeit stört. Sie meidet Qualitätsjournalismus, traut den Boulevardmedien blind, prüft Aussagen von Politikern kaum und geilt sich permanent an einfachen Lösungen für komplexe Probleme auf. Wie sich das jetzt auf das Parlament auswirkt, kann man ja sehen - aber es führt ja auch zu einer großen EU-Skepsis. Weil in der "Krone" steht ja nichts Gutes.
Aber der Reihe nach. Mein Leben lang hatte meine Familie die "Krone" abonniert. Meinen Vater hab ich eher unpolitisch in Erinnerung, aber meine Mutter ist heute tendiert zu blau, ist aber auch Protestwählerin. Als ich irgendwann begann, die Zeitung zu lesen, kam ich mir gebildet vor - ich hatte noch keine Ahnung, was die "Krone" und ihre Blattlinie waren und dachte natürlich, mich damit voll objektiv zu bilden.
Seit ich auf diversifizierten Medienkonsum und auf Qualitätsmedien umgestiegen bin, hat sich einiges geändert - ich finde zum Beispiel "die Politiker" nicht mehr scheiße. Zumindest nicht mehr pauschal und aus Prinzip. Und ich hänge mich auch nicht an den berühmten "EU-Verordnungen" auf, weil ich mittlerweile ein bisschen über die EU weiß.
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Mittlerweile gehöre ich damit aber zu einer Minderheit. Wie auch die Debatte um die neue apokalyptische Verordnung der Union zeigt, die allen Ernstes verlangt, dass Wirte ihre Allergene in Lebensmitteln offenlegen müssen! Diktatur! EUdSSR! Was wollen die als nächstes - sollen Pharmaprodukte künftig auf Risiken und Nebenwirkungen hinweisen? Oh …
Ich lese regelmäßig ausländische Medien, und mir wäre dieser Shitstorm gegen die EU in keinem anderen Land aufgefallen. Aber in Österreich fühlt sich die gastronomische Kultur von der Union bedroht und wettert gegen die "nutzlose Bürokratie" in Brüssel. Man solle sich um "echte Themen" kümmern. Dass die EU einen Wirtschaftskrieg gegen Russland führt, kann man ja schnell vergessen. Genauso wie offene Grenzen, Freiheit, Demokratie, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Frieden. Und ja, auch Österreich hat von der EU profitiert - ich traue unabhängigen Studien mehr als der FPÖ.
Es ist leicht, gegen etwas zu sein, das man nicht versteht - und der Durchschnittsösterreicher hat wenig bis keinen Plan von der EU. Dieser Shitstorm ist hoffentlich eine Eintagsfliege. Und die Wirte brauchen sich wenig aufregen - jetzt kommen die Wintertouristen, die dann mit ihren Euros bequem zahlen können und diesen fatalen Eingriff in die Freiheit wieder gut machen.