In einer Fortführung meines ähnlich genannten Blogs zur erneuten Wahl Trumps zum PotUS sollen ein paar der Dinge aufgezählt werden, auf den neuesten Stand gebracht werden, Befürchtungen, die (zumindest noch) nicht eingetreten sind, wieder aufgegriffen werden. Los geht's!
1) Trump, der Wannabe-Diktator. Er hat sich tatsächlich nicht selbst begnadigt, ist also immer noch verurteilter Straftäter. Dafür die Aufständischen und insbesondere die Rädelsführer der rechtsextremen Proud Boys und Oath Keepers, die für ihre Rollen vom 6.1. einsaßen. Und er hat auch (noch nicht) den Insurrection Act angewandt. Tatsache. Da lag ich falsch. Aber die Frage ist wohl, wieso nicht? Und nach seinem Handeln und Aussagen zu urteilen, hält er sich schlicht für unantastbar genug, es nicht zu müssen und mittels Executive Orders sämtliche geltenden Regeln und Gesetze außer Kraft setzen zu können. Das dafür herausragenste Beispiel ist natürlich, wie Trump den Erlass eines Bundesrichters schlichtweg ignorierte, der es untersagt, bestimmte vermeintliche Gangmitglieder-Ausländer abzuschieben. Er tat es trotzdem, beschimpfte den Richter und will ihn nun am liebsten in bester TV-Manier feuern. Dafür hat sich der Dictator-in-Chief sogar nen Rüffel des konservativen Chief Justice John Roberts eingefangen, also des Vorsitzenden des Supreme Courts. Eine Entscheidung darüber liegt jetzt bei eben diesem. Mal sehen, ob Trump diese akzeptieren wird, wenn sie ihm nicht gefällt. Hierzu auch gleich der nächste Punkt, wo es krachen könnte: Trump spielt immer öfter mit dem Gedanken, noch einmal zur Wahl anzutreten, obwohl ihm das von der Verfassung eindeutig untersagt wird, namentlich vom 12th und 22nd Amendment. Seine Getreuen versuchen hier alle Winkelzüge auszunutzen, eine reale Chance dieses Vorhaben innerhalb der gültigen Gesetze durchzuführen gibt es nicht. Für eine etwaige Verfassungsänderung sind die Voraussetzungen schlicht nicht gegeben und werden bis zur nächsten Wahl auch nicht gegeben sein. Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er es nicht vielleicht mit einem Executive Order probieren würde oder einfach so macht und wie bisher darauf hofft, dass alle dann in Schockstarre dastehen, bis sie nichts mehr dagegen tun können. Ob das allerdings aufgehen würde, wäre mehr als fraglich, denn wie ein Experte für US-Recht lakonisch meinte, stünde dann auch Obama auf einmal wieder am Wahlzettel.
2) Trump, der komplett erratische (und ebenso diktatorische) Außenpolitikzerstörer. Putin heute Best Buddy, morgen böse, weil er auf Trumps Forderungen nicht eingeht. Letztens ließ Donny damit aufhorchen, er sei bitterböse auf Putin, weil der auf seinen großartig eingefädelten Deal zur Waffenruhe nicht eingeht und ihn bloßstellt. Man merkt, der große Dealmaker kommt sich immer noch vor wie der Chef seiner TV-Sendung, vor dem alle zu kuschen haben. Dass der Ukraine-Krieg entgegen aller seiner ostentiösen Beteuerungen immer noch nicht zu Ende ist, lässt natürlich auch die auf unserer kleinen Seite zu Hauf zu findenden Aussagen diverser Rechtsextremer in etwa so schlecht altern wie Milch. Dafür öffnete Trump ohne Not komplett neue Konfliktfelder. Kanada, wo er den zuvor weit abgeschlagenen Liberalen aller Voraussicht nach einen Wahlsieg bescheren wird, dank seiner sowohl militärisch, wie auch wirtschaftlich feindseeligen Haltung. Die "Gebietsansprüche", wie er es mittlerweile nennt, auf Grönland, waren in Trumps erster Amtszeit noch witziges Beiwerk, das man getrost unter "Flood the zone with shit" zusammenfassen konnte: Die Aufmerksamkeit der politischen Gegner auf Absurditäten zu lenken, während man im Geheimen die wirklich relevanten Dinge durchführt. Doch mittlerweile bekommt dies durch den Besuch von Vizepräsident Vance, der nur von Protest und Ablehnung der Grönländer begleitet war, so reale Folgen, dass Dänemark seine Militärpräsenz aufstockt und Trump daran erinnern muss, dass er - so gern er auch zurück im 19. Jahrhundert wäre - sich doch ans Internationale Völkerrecht zu halten hat. Zudem besorgt dies auch Russland, das seine Armee wiederum stärker auf die Arktis konzentriert und sich in Bezug auf die Ukraine durch Trumps Verhalten nur bestätigt fühlt, was wiederum für Trump dem ersten Punkt komplett entgegenläuft, den er erreichen will - den Ukraine-Krieg binnen 24 Stunden zu beenden. Aber soviel kohärentes Denken schafft er halt nicht. Ein besonderes Schmankerl sei hier noch mit der Anweisung(!) Trumps bzw. seiner Botschaften in anderen Ländern erwähnt, dass alle anderen Länder und die dortigen Firmen, die Geschäfte mit den USA machen, sich gefälligst an seine Executive Orders zu halten haben, was DEI-Vorschriften angeht. Erinnert stark an seine Wahnvorstellungen, die ganze Welt habe sich nun an die Bezeichnung Gulf of America zu halten, weil er das so für seine Bundesbehörden bestimmt hat. Brudi, nicht mal deine eigenen Bundesstaaten müssen sich daran halten... Trump glaubt halt, er könne anderen Staaten Befehle erteilen, was gerade in Bezug auf Putin und Russland noch unschön enden könnte. Aber diese Gefahr hab ich im ersten Blog zur Wahl damals schon ausführlich behandelt.
3) Trump, der Wirtschaftsversager. Die Eierpreise steigen und steigen, während die Börsenkurse fallen und fallen. So könnte man in Kurzform die Wirtschaftslage in den USA bezeichnen. Und darin sitzt Trump, der in seinem Wahn davon träumt, Amerika (und seine Wirtschaft) GAAAANZ SICHER wieder groß zu machen. Während es auch hierfür in unserer kleinen Bubble Kommentare von "Experten" gibt, die Trump für Gottes Geschenk an die Wirtschaft halten, zeichnet die Realität ein trüberes Bild. Im Zentrum davon stehen naturgemäß die Zölle. Trumps Lieblingswort, wenn es um Wirtschaft geht, die er nun für praktisch die ganze Welt präsentiert hat - und ein größeres Fiasko sind, als alle angenommen haben. Weltwirtschaftkrise kann kommen. Die nun voraussichtlich kommenden Zölle - so Trump in seinem Erratismus und seiner Unvorhersehbarkeit seine Meinung nicht noch zwanzig Mal hin- und herändert - haben keine Basis in der realen Welt, wonach sie berechnet werden, worauf sie basieren, sie könnten genausogut ausgewürfelt worden sein. Denn, das alles basiert nicht auf echt erhobenen Zöllen, sondern, man nehme das Handelsbilanzdefizit mit einem Land und dividiert es durch die Importe aus diesem Land in die USA. Heraus kommt eine Zahl 0,xy die mit 100 multipliziert wird. Das ist die von Trump behauptete Zollhöhe, die die Länder den USA auferlegen - was natürlich kompletter ökonomischer Schwachsinn ist. Diese werden nun mit zumindest halb so hohen Zöllen gekontert. Und die Auswirkung dieser Ankündigung war: Alle greifen sich nur mehr an den Kopf. Selbst Trump-freundliche Erzkonservative wie etwa Ben Shapiro fragen sich nun langsam deswegen, was Trump eigentlich für ein (ökonomischer) Vollidiot ist. Wenn dies so kommen sollte, sind die Auswirkungen für die USA überschaubar - überschaubar schlecht natürlich - aber überschaubar: Inflation wird weiter steigen, alles wird für Endkunden weiter teurer, es wird weniger, dafür teuerere Produkte geben, die Börsen werden weiter fallen, sodass eine Stagflation im Raum steht und Eier werden auch nicht maßgeblich billiger oder mehr. Denn dazu am Rande wird die Vogelgrippe-Epidemie halt durch einen alternativmedizinischen Gesundheitsminister gemanagt, der vielleicht als Gegenmittel Regentänze aufführen will. Wer weiß das schon. Ach ja... Und die USA werden sich wirtschaftlich isolieren. Während der Handelskrieg US vs. the World halt entbrennt sucht sich the World untereinander andere, verlässlichere Handelspartner. Das wird auch nicht von heute auf morgen gehen und der von Trump angezündete Flächenbrand wird auch alle anderen treffen, aber nicht so übel wie die Staaten selbst.
Und das alles nach noch nicht mal drei Monaten zurück an der Macht. Aber es gibt tatsächlich auch positive Dinge zu berichten. Naturgemäß weniger für die Leute, die Trump gewählt haben und sich nun in der titelgebenden Scheiße wiederfinden, aber für alle anderen halt.
1) Verteidigungsminister Hegseth wird von seinem eigenen Pentagon wegen Signalgate ins Visier genommen. Er hat maximal Scheiße gebaut für die nationale Sicherheit und soll dafür auch zur Rechenschaft gezogen werden. Gut so.
2) In Wisconsin wurde eine progressive Richterin statt eines ultrakonservativen gewählt - trotz aller Versuche Schattenpräsident Musks, dies zu verhindern. Das galt als einer der ersten Stimmungswahlen im Jahr 1 mit Trump. Gut so.
3) Btw Musk... Es steht zu hoffen, dass wir den zumindest in Bälde wieder los sind, da seine 130-tägige Stelle als spezieller Regierungsbeamter bald sein Ende findet. Gut so. Es könnte allerdings gleich den nächsten rechtlichen Krieg auslösen, den Trump ausfechten will - oder per Executive Order vermeintlich zu umgehen sucht.
4) Die Demokraten befinden sich in der obig genannten Schockstarre. Nun ja fast alle. Immerhin der eigentlich parteilose Altkämpfer Bernie Sanders versucht die Situation zu nutzen, um sozialen Widerstand aufzustellen. Bislang scheint das aufzugehen. Gemeinsam mit der jungen AOC stellt er Besucherrekorde auf, wo er auftritt. Gut so.
So gibt es ein wenig Licht, welches wohl mit jedem Tag heller scheinen wird, an dem Trump in seiner diktatorischen, erratischen, versagerischen Art herumpöbelt.